ERSTER UL-BESUCH BEI ALOIS REISCHMANN IN KROATIEN

30.08.-02.09.2002

Seit Alois im Mai 2001 nach Kroatien 'ausgewandert' ist, und dort eine Außenstelle der Flugschule SKY TEAM für Trike und Dreiachser auf eigenem Flugplatz betreibt, haben viele befreundete Piloten davon geredet, mal zu ihm runter nach Porec/Kroatien zu fliegen. Fast 1 1/2 Jahre passierte nichts (es kamen viele, aber alle per Auto und nicht per UL) und dann haben wir gesagt, das kann ja nicht so bleiben.
Da ich mein Quantum 912 Schulungs-Trike nur 'geschäftlich' nutze (sonst bekomme ich einen hohen Privatnutzungsanteil vom Finanzamt aufgebrummt) und zwar viele Charterer und ehemalige Schüler mitfliegen wollten, aber keiner richtig Zeit hatte und sich entscheiden konnte, ging ich auf den ehemaligen Dreiachserschüler Hubert Jäckel zu, der mit fast siebzig Jahren noch den UL-Schein gemacht hatte, ob er Lust auf ein solches Abenteuer hätte.
"Klar, machen wir das", war die Antwort von Hubert. Es folgte von uns beiden eine ausgiebige Flugplanungsphase.

Leider waren die Wetterbedingungen in Mengen Ende August schon häufig mit Nebel am Vormittag 'vefrachtet', so dass an einen frühen Flugbeginn und Ankommen am Ziel am selben Tag nicht zu denken war... . Deshalb entschlossen wir uns am späten Freitag Nachmittag des 30.08.2002 gegen 16:30 Uhr noch nach Zell am See zu starten.

Im Flachland waren die Bedingungen einigermaßen gut, in den Bergen mussten wir erst über die Wolken, dann um sie herum nach bis nach Zell am See 'torekln'. Nach gut 2 Stunden waren wir da und der Platz zeigte sich uns völlig als neu aufgebaut und angelegt.

Die freundliche Flugleiterin Barbara gab uns einige Tipps für den Weiterflug am nächsten Tag und besorgte uns ein Zimmer in Zell am See, der Hotelier war zufällig am Platz und karrte uns ins Dorf.

 

Am frühen Samstag Vormittag gaben wir dann unseren Flugplan nach Vrsar in Kroatien auf und  nach einer Stunde Warten (wegen Zoll...) ging es nach einer langen Schleife zum Höhengewinn los über der Großglockner Hochalpenstraße entlang über den Alpenhauptkamm.

 

 

Blick auf die Hochalpenstraße und...
...auf das Großglockner-Massiv
Weiter ging es über Lienz, Villach und dann über die Grenze nach Slowenien über den Meldepunkt ISTRI hinweg..
'Dort werden alle VFR-Flieger auf 1000 ft GND geschickt, was wir aber nachdrücklich verweigerten, da wir im Flugplan FL100 angemeldet hatten. Schließlich stimmte der sehr müde und lustlos wirkende Controller zu. Das slowenische Gelände im Nordwesten des Landes ist in weiten Abschnitten unlandbar, aber aus FL 100 sollte man etwas finden können... .

Weiter im Süden drehten wir um die italienische Grenze herum ab nach Südwesten Richtung Portoroz über den Meldepunkt BUGEV, wo man die Grenze nach Kroatien auf die Halbinsel Istrien überfliegt und mit PULA Approach kommuniziert. Wenige Minuten später landeten wir in Vrsar, riefen Alois an, machten den Zoll und schlossen den Flugplan.

Flugzeit für die 250-300 km etwa wieder gut 2 Stunden mit einer gemütlichen TAS von 130 km/h. Wir hatten noch reichlich Spritreserven, fast den halben Tank voll. Landezeit etwa 11:30 Uhr lokal.

Der Flugleiter von Vrsar hat uns hoch und heilig versichert, der Flugplan sei geschlossen. 10 Minuten später flogen wir wieder ca. 10 km nach Norden in Richtung Porec zu Alois' kleinem Landefeld - der Begriff Flugplatz wäre fast etwas übertrieben. Unterwegs hakte ich nochmals bei Pula Approach nach, unser Flugplan war noch nicht geschlossen (!!!) aber mit dieser Nachfrage war er es dann.

Hubert, der schon mit dem Auto in Porec war, zeigte auf eine Wiese, das sei der Landeplatz von Alois. Ich schätzte die Länge auf 400-600 Meter und dachte, das ist gut so. Hubert aber hielt auf einen schmalen Wiesenstreifen daneben zu, der nur ca. 200 Meter hatte, das fand ich nicht mehr gut so, denn spätes durchstarten geht nicht, weil am Ende eine etwa 5-10 Weiden- und Gebüschreihe steht. Hubert landete sehr gut auf dem kurzen Feld und wir kamen direkt vor der Halle zum Stehen.
Alois war noch nicht da, da er Sprit mitbringen wollte.
Nach 10 Minuten kam er dann endlich und brachte auch noch was zum Trinken mit.
Wir verbrachten trotz kurzem Regenschauer einen schönen Tag, einen gemütlichen Abend und am nächsten Morgen, Sonntag 01.09.02 wollten wir schon wieder zurück nach Mengen. Denkste, strömender Regen setzte ein, als wir zu Fuß auf dem Weg zum Flugplatz waren.

Der "Wetterfrosch von Portoroz hat erst keine richtige Lust, uns telefonisch zu beraten, doch dann rappelte er sich doch noch auf. Würden wir in Porec sofort loskommen, dann könnten wir östlich um die Alpen herum über Maribor, Regensburg nach Deutschland zurück kommen. Aber bis 14 Uhr würde eine Gewitterfront bereits Maribor erreichen. Außerdem regnete es in ganz Süddeutschland heftig. Na ja. So warteten wir bis zum Nachmittag und starteten gegen 16 Uhr in Porec wieder wegen Zoll und Flugplan nach Vrsar, wo wir 30 Minuten wegen des Flugplanes warten mussten. Ziel Maribor. Wir waren gerade am Einsteigen in die Maschine, als der Flugleiter mich ans Telefon holte. Der internationale Verkehrsflughafen Maribor habe wegen Umbauarbeiten bereits ab 16:00 UTC geschlossen. Also per Telefon den Flugplan ohne weitere Wartezeit auf Lubljana geändert und gegen 18:00 Uhr ging es dann los nach Lubljana.

Anflug und Landung waren kein Problem, die beiden Maschinen am Rollhalt, ein kleinerer Airbus und eine Being 737 mussten minutenlang warten, bis wir die riesige Platzrunde abgeflogen und aufgesetzt hatten. Danach am Rollhalt des Taxiway hinter der Bahn wurden wir auf der GROUND-Frequenz aufgefordert, auf ein Follow Me-Car (Helfer 1) zu warten. Dieser brachte uns zur Parkposition, wo schon ein Einweiser (Helfer 2) mit seinen Leuchtstäben professionell herumfuchtelte. Daneben stand eine nette junge Dame (Helfer 3), perfekt Deutsch sprechend, die mich noch im Flieger sitzend fragte, ob wir übernachten wollten und sie ein Zimmer besorgen solle. Wir nahmen an und nannten ihr unsere Preisvorstellung für das Zimmer. Dann bot sie uns Mineralwasser auf dem Flugfeld an, wir seien sicher durstig. Bis wir unser Gepäck ausgeräumt hatten, erschien Helfer 4 mit 2 Gewichten um, den Flieger anzubinden, was wir dankend annahmen. Helfer 5, den großen Tankwagen lehnten wir ab, wir wollten lieber nächsten Morgen tanken. Das nette Fräulein hat mit uns auf dem Vorfeld gedildig und freundlich nahezu eine Stunde wartend verbracht (Karten für die weitere Flugplanung raussuchen, GPS ausbauen für die Routenplanung...)..

Selbst auf den Vorschlag, später wieder zu kommen, ging sie nicht ein, da wir nicht alleine auf dem Vorfeld bleiben durften. Rechts von uns stand ein zweistrahliger Laerjet, links eine zweistrahliger CitationJet, daneben dann die AirBus und Boeing-Kollegen.

Anschließend karrte uns unsere "Airport-Hostess" zum Meteo-Office, wo wir die Chancewn einer Alpenüberquerung am nächsten Tag erfragen wollten. Da reihten sich hinter uns am Schalter schon eine Airliner-Besatzung ein, die wir vorlassen wollten (die sind ja auch ein bisschen wichtiger), was diese aber ablehnten, weil wir zuerst da waren. Nach der Wetterberatung stand unser nettes Fräulein immer noch da und karrte uns zur Passkontrolle. Danach wartete sie wieder und begleitete uns durch die Gepäckausgabe bis zum Zoll. Die hatten nichts zu tun und standen gleich auf. Unser Fräulein winkte ab "die haben nichts anzumelden", ohne uns gefragt zu haben. Nach dem Zoll führte sie uns zur Abflughalle und zeigte uns den unauffälligen General Aviation - Zugang, wo wir am Folgetag wieder rein sollten. Hiernach führte sie uns zum Taxi-Steig, wo bereits unser Hotel-Abholdienst wartete. Das Hotel war sehr nahe am Flugplatz, trotzdem ruhig Drei-Sterne-Standard und allgemein sehr gut.

Am nächsten Morgen dann ging es wieder um 8 Uhr zum Flugplatz, den bekannten GA-Eingang hinein und da glaubten wir zuerst falsch zu sein, denn da waren Computer, Ledersessel, Kaffetheke etc. wie in der First-Class Lounge. Die Dame dort wusste schon, wer wir sind und winkte uns her, zeigte uns alle Computer mit Internet und Faxdiensten zur Wetterberatung und bot uns Kaffee und Tee an. Wir nahmen das Angebot an, denn es war noch neblig und wir mussten ohnehin noch bessere Bedingungen abwarten. So warteten wir bis 10 Uhr, und entschlossen uns dann wenigstens schon mal zu tanken, wo wir wieder mit freundlicher Begleitung rausgefahren wurden, und der Tankwagen wieder kam. Dieser hatte sogar mehrere Mini-Adapter für seinen großen Rüssel und brauchte gut 15 Minuten, bis er 19 Liter drin hatte. Der große Druck war einfach zu viel für unseren kleinen Stutzen, und so bekam er den Sprit nur schluckweise hinein, fast einen Krampf im Arm vom Halten und Drücken. Dann wieder zurück in die Lounge, wo uns die Damen den Flugplan nach Zell am See ausfüllten und weiter warten bei Kaffee und Tee.

Wir malten uns angesichts der überaus exzellenten Dienstleistung und der 5 (!) beteiligten Helfer auf dem Vorfeld (ohne Zoll, professionellen Meteo-Service) aus, was denn die Landegebühr wohl kosten würde. Kaffee und Tee war alles umsonst, auch die Wetterberatung, Internet-Zugang, Lounge etc.. Wir haben bis zum Abflug einige Personal-Stunden in Anspruch genommen. Die Überraschung: Landegebühr 8 Euro, Ground-Handling 10 Euro und der Sprit war fast geschenkt... .
 

Der Flug nach Österreich verlief problemlos bis zum Alpenhauptkamm, wo die Basis nicht viel Platz zum Kamm liess. Wir schafften es aber ohnehin nicht, bis Obervellach höher als 10.000 Fuss zu kommen und quetschten uns unter den Wolken und über dem Kamm durch. Landung in Zell am See gegen 14 Uhr. Dort war unser Flugplan nicht bekannt gegeben worden und wegen des Zolls mussten wir dort 1 Stunde warten, falls die kommen wollen.

Nach 57 Minuten stiegen wir in den Flieger und wer marschierte daher, die Granzgendarmerie: Zollkontrolle. Den ganzen Gepäckteil der C-42 durften wir ausräumen einschl. Schmutzwäsche etc.. Vorne in den Flieger wollten sie gar nicht reinschauen... .

Die weitere Flugroute mussten wir dem Wetter anpassen. Es war sehr sonnig aber mit tiefer 4/8-Bewölkung unter Kammniveau wegen der gestrigen Regenfälle. Wir beschlossen unter der Basis das Pinzgau dem Tal entlang nach Westen über den Gerlos-Pass ins Zillertal zu fliegen. Das klappte prima und wir konnten in den Aufwindbändern unter der Basis am Südhang entlang wunderschön Sprit sparen.

Aus dem Zillertal heraus mussten wir Innsbruck Tower benachrichtigen, da wir deren CTR Richtung Maurach/Aachensee querten. Dort war gerade ein Sicherheitstraining für Gleitschirmpiloten (bin ich selbst fast 10 Jahre geflogen) im Gange. Sah' Klasse aus, wenn einer neben einem einen Fullstall macht (und dann an der Rettung in den See).
Nur wenige Kilometer weiter Richtung Alpenrand kam dann die Überraschung:
Im Alpenvorland lag die Bewölkung auf den Hügeln wie eine Föhnmauer auf und es gab keine Chance unten rein zu kommen (siehe Foto links). Also mit Vollgas im steilen Steigflug über die Wolkendecke rüber und parallel dazu bei München Information den Meteorologen am Wetterradar nach Löchern fragen. Siehe da, der sah ein Loch über dem Starnberger See, das sich wie ein Canyon oder ein enges Flusstal bis nach Memmingen fortsetzte und dort nach Norden weiter Richtung Ulm verlief.

 

Wir hatten dadurch bei einem evtl. Motorausfall zu jeder Zeit irgendwo Erdsicht und Gelegenheit im Gleitflug da reinzutauchen. Bernd Meier, der Flugleiter in Mengen bestätigte uns per Funk (vom Starnberger See aus in FL 100 Funkverbindung möglich !), dass die Wolkendecke in Mengen und gen Osten hin min. 1500 ft über GND liegt.

Das deckte sich mit der Auskunft per Funk des Meteorologen von München. Wir flogen also über dem "Canyon" entlang auf FL 100 bis Memmingen, tauchten kurz zuvor in diese Wolkenschneise mit ausreichendem seitlichem Abstand ein und konnten im Flachland ganz normal VFR unter den Wolken bis nach Mengen nach Hause fliegen.


Pilot und Eigner der C42: Hubert Jäckel
Funk, Navigation, Flugplanung: Roy Maihöfer
 

Fotos geschossen von Roy Maihöfer mit Hubert Jäckels einfacher 35mm-Kleinbildsucherkamera durch die Scheiben hindurch

Nachtrag:

So ein Trip ist nur mit BZF 1 (internat. Funksprechzeugnis in engl. Sprache) möglich. Transponder dringend anzuraten.
Ohne Transponder wären die Höhenfreigaben in Slowenien und Kroatien niemals zustande gekommen und dort tief zu fliegen (max. 1000 ft GND erlaubt) grenzt stellenweise an Selbstmord.

Langungen in Zell am See (Zollflugplatz) mit Trike oder UL-Dreiachser sind kein Problem, keiner will dort was von den gespinnerten internationalen Hemmnissen (Einflug nach Österreich nur mit PPL-Theorie), die die Wiener Austro Control ausgegraben hat, wissen. Wenn es allerdings zur Notlandung käme, würde man evtl. schon Probleme bekommen... .

Einflug nach Slowenien mit Landung ist nur auf den drei internationalen Flughäfen Lubljana, Maribor und Portoroz mit Zoll und Flugplan möglich. Trike und UL-Dreiachser sind kein Problem !

Einflug nach Kroatien mit Landung mit Zoll und Flugplan ist über Vrsar möglich. Trike und UL-Dreiachser sind kein Problem !

In Kroatien darf man nur mit Flugplan höher als 1000 ft GND fliegen.

Wir werden diese Strecke nach Kroatien bei nächster Gelegenheit (wenn es wieder schöner und wärmer wird) mit unserem Trike Pegasus Quantum 912 abfliegen. Ein Transponder mit Mode C ist inzwischen sogar eingebaut.

Interessenten mit Trike-Schein, auch ohne große Erfahrung und ohne BZF 1 sind herzlich willkommen, sich bei mir zu melden und die Maschine für einen solchen Trip zu chartern.
(allerdings nur mit mir als Safety- und Co-Pilot hinten drin).
Charterpreis mit Flugplanung & Safety-Pilot,  inkl. dessen Spesen & Übernachtungen:
EUR 750 pauschal
zzgl. Landegebühren, Sprit, eigene Spesen & eigene Übernachtungen.
Noch war keiner mit dem Trike bei Alois Reischmann in Kroatien !
Siehe auch: www.ultraleichtflugschule-porec.com
 

Auf Anfrage führen wir auch andere Flugprojekte mit Interessenten von Mengen aus durch.
Traut Euch endlich mal was ! Wie wär's mit:

Wir bitten um Verständnis, dass wir pro Jahr nur eine sehr beschränkte Anzahl an Trips (<4) durchführen können.

 Kontakt:
Roy Maihöfer
Tel. 07555-94724


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