Übersetzung des englischen Originaltextes in die deutsche Sprache durch Roy Maihöfer (RM)
Das MF Microlight Flying-Magazin ist die Verbandszeitschrift des BMAA, vergleichbar mit dem DULV info.


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Wegen des grossen Interesses an Trikes mit dem 912er Rotax-Motor auf der at the AGM (Flugmesse inEngland, RM), haben wir entschieden, einen speziellen Testbericht über eine dieser Maschinen zu machen. Unsere Eindrücke vom 582er Quantum erschienen in der letzten Ausgabe, zusammen mit den technischen Daten für beide, die 582er und die 912er Variante, aber ein sinnvoller Test mit dem 912er sollte auf einem solchen Flug durchgeführt werden, wofür der 912er prädestiniert ist, nämlich für recht grosse Touren. RMH (Der Autor des Artikels) hat sich dieser Aufgabe angenommen und er schlug vor, damit auf das "Meeting Internazionale di Volo Libero at Bassano Del Grappa", unweit von Venedig zu fliegen, wo der jährliche Saisionauftakt in Europa stattfindet. Es schien aber noch mehr als nur das zu sein ... .

Flight test EXTRA logo

QUANTUM - EIN
QUANTENSPRUNG

Wie wär´s, das Quantum nächste Woche nach Bassano zu fliegen? Gut Idee - stimmten die Jungs von Pegasus Aviation zu. Das "Meeting Internazionale di Volo Libero at Bassano del Grappa", in der Nähe von Venedig in Italien findet tradiotionsgemäss während des Osterwochenendes statt und ist das erste drosse Ereignis des Jahres in Europa. So begann ein Abenteuer mit dem neuesten Produkt von Pegasus Aviation. Um ehrlich zu sein, was es für sie ein ganz schönes Risiko, nicht, wie ich hoffe, dass sie befürchteten, ich könne abstürzen oder es versehentlich beschädigen, sondern weil es momentan das einzig verfügbare Gerät dieses Typs, der Prototyp, war, und es ein Desaster für sie gewesen wäre, wenn das Wetter über dem Kanal oder über den Alpen verhindert hätte, dass es auf der Messe/Flugshow hätte nicht ausgestellt werden können. Wir entschlossen uns, unsere Pläne nach dem Wetterbericht auszurichten.

Ich erreichte die Fabrik in Marlborough am Dienstag Nachmittag vor dem Osterwochenende und mir wurde das erste produzierte Quantum 912, Werknummer 00 präsentiert, welches in einem ins stechenden hellen Gelb produziert wurde. Der erste Eindruck von der Maschine ist nicht so sehr die Grösse des Motors, sondern vielmehr die Komplexität desselben. Pic of engine installation
Das hintere Teil des Trikes ist ist umwoben von einer Vielzahl an Kabeln, Rohrleitungen, Kühlern und Gehäusen. Trotzdem scheint Pegasus einen respektabel sauberen Job gemacht zu haben. Ich frage nach, ob man nicht ein Cowling (Motorabdeckung) oder so was darüber machen könne, und das dafür notwendige Gewicht an anderer Stelle zu sparen. Gewicht sei ein heikler Punkt an dieser Masdchine, da der CAA (Luftfahrtamt, RM) darauf bestanden hatte, bei der Wägung persönlich anwesend zu sein, und diese mit einer geeichten Waage durchzuführen sei. Mit den beiden, jeweils vorschriftgemässen 86 kg schweren Personen kam man auf ein paar hundert Gramm unter die Zulassungsgrenze von 390 kg (bis zum 31.12.1998 gilt in GB für UL 390 kg, danach, ab 01.01.1999 gelten 450 kg wie bei uns, RM). Um dies zu erreichen, musste der normalerweise 50 Liter fassende Tank des Quantums auf 30 Liter (bei GB-Version identischer Tank, jedoch mit einer Füllrohrbegrenzung im Stutzen, RM) begrenzt werden, auf die wasserdichten Stauraumboxen musste verzichtet werden, ein Arplast Eco-Propeller (auch aus Kohlefaser, RM) wurde eingesetzt und eine spezielle, dünnwandigere und aus Kohlefasermaterialien hergestellte Vollverkleidung wurde eingesetzt. (nach den deutschen Richtlinien gibt es hier mehr Spielraum für die deutsche Version, RM)

Nachdem man mir die Maschine und ihre Spezialitäten erklärt hatte, führte ich einen ca. eine Stunde dauernden Flug durch, um mich an die Maschine zu gewöhnen, schliesslich plante ich ja einen Flug über die grosse Distanz von 750 NM (ca. 1.400 km) über Wasser und Berge hinweg. Später sagte mir das Wetterfax, dass das Wetter OK wäre für den Flug, da sich ein grossflächiges über Nordeurops aufbaute, und was noch wichtiger ist, dass dieses Hoch eine lästige Frontenlinie im Südalpenbereich wegdrücken würde. Grünes Licht für das Abenteuer !

Mittwoch

Der erste Teil des Fluges führte von Marlborough nach Headcorn mit einem kräftigen Gegenwind. Der weitere Flug führte über Greenham Common, eine ehemalige Cruise Missile Basis nördlich der Gatwick Kontrollzone, die nun schnell rekultiviert wird und die grossen Betonflächen zudeckt. Um eine brauchbare Geschwindigkeit über Grund zu erreichen, flog ich mit 70 bis 75 Meilen pro Stunde (MPH) angezeigter Geschwindigkeit ( 116 - 124 km/h TAS !, RM), was oberhalb der schnellsten einstellbaren Trimmgeschwindigkeit von 60 MPH (100 km/h, RM) liegt und deswegen einen konstanten, leichten Bügelzug erforderte. Wäre es nicht schön, wenn diese Trimmsysteme über den gesamten Geschwindigkeitsbereich funktionieren würden ? Das ist teilweise der Fall beim 912er Quantum, das die Höchstgeschwindigkeit bei m,ühelosen 4350 Umdrehungen erreicht. Der Flug nach Headcorn dauerte 2 Stunden, 5 Minuten mit einer Geschwindigkeit über Grund von 45 Knoten (84 km/h, RM).

An jenem Morgen in Marlborough vollzog sich das Starten des Motors ein bisschen schleppend und ich nahm an, das sei normal für einen kalten Motor (die Batterie war fast leer !, RM). Als ich bereit war zum Weiterfliegen von Headcorn aus, vermochte der Anlasser den Motor nur noch ein paar Mal zu drehen, bevor er die Arbeit ganz verweigerte.  Batterie leer - ja das sind die Freuden mit einem Elektrostarter ! Ich ging zurück zur Flugaufsicht, anullierte meinen Flugplan und rief Pegasus an. Die vermuteten eine durchgebrannte Sicherung im Laderegler. Nach kurzer Überprüfung zeigte sich nichts derartiges und so erhielt ich Starthilfe mit einem Überbrückungskabel eines Autos. Ich überprüfte den Spannungsabfall von der Batterie zur Lichtmaschine mit einem ausgeliehenen Messgerät. Meine Diagnose war, dass der Fehler im Gleichrichter lag, der einen Aufkleber mit der ominösen Aufschrift "Motor ohne Batterie nicht in Betrieb nehmen". Könnte das während der Testphase des Motors einmal passiert sein ? Möglicherweise wurde die Batterie noch gar nie geladen. Ich wusste, dass es keine Gefahr für den Betrieb der Maschine sein konnte, da die Maschine drei Erregerkreise zur Stromerzeugung besitzt, zwei für die Doppelzündung und einen zum Laden der Batterie. Das einzig gemeinsam genutzte Teil ist die Magnetscheibe am Motor. Beide Zündsysteme waren i.O., was durch Abschalten jeweils eines Zündsystem geprüft werden kann. Der Motor läudt dann mit nur einem Zündsystem etwas unruhiger. Ich hätte also weiter fliegen können. Der Funk und das FlyDAT wären zwar nach einiger Zeit ausgefallen, aber insgesamt wäre es ärgerlich für jeden Start auf einem Flug durch halb Europa jedes Mal eine Starthilfe zu brauchen. Ich zeichnete einen Schaltplan des Bereiches, wo ich den Fehler vermutete und faxte diesen an Pegasus.

Es stellte sich heraus, dass der Fehlersehr obskur war, so dass es reines Glück gewesen war, ihn gefunden zu haben. Die Verkabelung war korrekt gemäss den Produktionszeichnungen, aber zwischen den Produktionszeichnungen und dem Rotax-Verdrahtungsschema gab es einen Unterschied. Sie faxten mir die korrigierte Skizze zurück und die Behebung bestand ganz simpel darin, einen Draht hinter dem Armaturenbrett von einer Klemme auf einen anderen zu legen. Nach einem weiteren Starhilfeversuch und einer Überprüfung des Messgerätes, zeigte dieses knappe 14 Volt an der Batterie an, also war die Lichtmaschine unbeschädigt und die Batterie wurde geladen - ich konnte weiter.

Esw war immer noch hell und ich war leicht verärgert darüber, dass es für den Flug nach Abbeville zu spät sein könnte, es war bereits 18:30 Uhr nach französischer Zeit. Chris Freeman, der Flugplatzleiter von Headcorn, hat freundlicherweise jegliche Bezahlung für Fax und Telefon abgelehnt und sagte "Kümmere Dich nicht um Deinen Fluplan, ich mach´das schon, flieg´einfach weiter". Im Vertrauen darauf flog ich weiter. Aus irgendeinem Grund zeigte die Tankanzeige nichts an, aber die Strecke nach Abbeville war kürzer als der bisherige Abschnitt und aus der Erfahrung wieviel ich hierher verbraucht hatte, sagte ich mir, das muss reichen. Ich stieg langsam auf 4.500 Fuss auf dem Streckenabschnitt nach Dover und lauschte bewusst dem sanften, tiefen Summen des Motors. Man sagt, dass der 912er, speziell ohne Cowling mit Druckpropeller zur akuten Vergaservereisung neigt. Vor zwei Jahren auf der Paris - Lodon Rally, hatte Phillippe Tisserant, der Herausgeber des französischen Magazins "Vol Moteur" eine sehr unangenehme Situation mit einem 912er DTA-Trike, demselben Trike, das Olivier Aubert von Kap zu Kap im letzten Sommer geflogen hatte, erlebt, als der Vergaser mitten über dem Ärmelkanal zusehends vereiste und beinahe der Motor ausgefallen wäre! Um dies zu verhindern, hatte Pegasus eine patentierte Anordnung von Rohren um jeden Lufteinlass gezogen, die von heissem Wasserd aus dem Kühlsystem durchflossen werden und diese mit einer kleinen GFK-Cowling abdecken. Sie sagen, es erhöht die Temperatur der angesaugten Luft um rund 20 Grad Celsius. Trotzdem lauschte ich auf das leiseste Husten des Motors, denn das Wasser im Ärmelkanal ist um diese Jahreszeit noch verdammt kalt.

Ich schwenkte nach Süden über den Hafen von Dover, wo mich ein Wind aus nordöstlicher Richtung mit Rückenwind voran schob. Die Flugüberwachung von Manston forderte mich auf, in der Mitte des Kanals Meldung zu machen, und wie immer nahm ich mir vor diese Meldung zu verzögern, bis ich deutlich näher der französischen Küste als der hiesigen war. Aus Erfahrung weiss man nämlich, dass die Leute in Manston im Notfall viel kompetenter waren, als ihre Kollegen auf der anderen Seite. Ich deswegen überrascht, als die mich genau in der Mitte des Kanals angefunkt haben. Konnte es sein, dass die ihr Radar verbessert haben, seitdem neulich Gerüchte besagten, dass Ultraleichte letztes Jahr unautorisiert im Tiefflug den Kanal überquert haben ? Ich schaltete wie angewiesen um auf die Anflugfrequenz von Lille und danach auf den Tower von Le Touquet, als ich über Land war. Ich hatte den Kanal angenehm und schnell in 20 Minuten überquert, und der Flug nach Abbeville über 90 NM dauerte 1 Stunde und 41 Minuten.

Als ich ankam, war der Platz wie ausgestorben. Aber nicht lange. Ein Bus mit Zöllnern tauchte auf, gefolgt von einigen Gendarmen mit Blaulichtern. Ich suchte in meinen Unterlagen gerdae nach der Telefonnummer, um meinen Flugplan zu schliessen, bevor die einen Suchhubschrauber losschicken würden, da in Frankreich für Fehlalrmierungen bezahlt werden muss. Die Leute fragten mich, ob ich ein Flugzeug aus England hier hätte landen sehen, was ich aber nicht gesehen hatte. Sie fuhren weiter, um hinter den Hangars nachzusehen. Irgendwann realisierten die dann, dass ich es war, die sie suchten. Offensichtlich ging mein Fluplan nicht durch und Lille hatte Alarm ausgelöst.

Man nahm mich jetzt natürlich etwas genauer unter die Lupe. Obwohl ich meine Lizenz und all das bei mir hatte, hatte ich vergessen, die Papiere für die Maschine mitzunehmen und gerade als die Situation brenzlig zu werden begann präsentierte ich meinen französischen UL-Schein, den ich vor Jahren gemacht hatte, und seither nie mehr gebraucht hatte. Dies erfeute sie so sehr, dass sie noch vielmehr in ihre Funkgeräte hineinredeten. Als de Chef des Flugplatzes auftauchte, erkannte er mich von früheren Besuchern wieder und alle vergassen die fehlenden Papiere und wir hatten anstelle dessen eine ausführliche Diskussion über das Schengener Abkommen. (Eigentlich waren Kopien aller Dokumente in einer Tasche unter dem Sitz - was ich damals aber noch nicht wusste). Schliesslich gingen sie dann und sagten mir, ich könne gehen, es sei denn sie würden am nächsten Morgen noch einmal kommen. Es war jetzt zu spät, um irgendwo anders hin zu fliegen, weswegen ich zum Tanken rollte, die Fläche flach auf den Boden legte und ich mir ein excellentes Abendessen und ein komfortables Zimmer im an den Flugplatz angrenzenden Motel gönnte, und mir vornahm wirklich früh zu starten, falls die es sich anders ü7berlegen sollten..

Donnerstag

Beim dem ersten Lichtstrahl am Horizont begann ich mich fertig zu machen. Ausser der Bürokratie aus dem Weg zu gehen, war ich gespannt, ob das Wetter in den Alpen o.k. sein würde und ich bis nach Italien fliegen könnte, um bei Georgio Frank, der eine Mailand -London Expedition vorbereitet, übernachten zu können. Ich schabte den Frost von der Fläche und riggte sie auf das Trike auf. Beim Drehen des Zündschlüssels zeigten alle Temperaturen des FlyDAT -6 Grad Celsius.

Das Rotax FlyDAT ist eine clevere und kompakte Zauberkiste, die auf einer Digitalanzeige pic of dashboard alle 4 EGTs anzeigt (Abgastemperaturen der Zylinder), eine CHT (Zylinderkopftemperatur), die genauer gesagt die Kühlwassertemperatur ist, den Öldruck und die Öltemperatur, die Drehzahl und die Betriebsstunden anzeigt. Werksseitig sind alle Grenzwerte der Temperaturen und Drücke und die Anzeige des jeweiligen Wertes blinkt sofort auf, wenn ein Grenzwert erreicht wird. Wenn irgendein Wert überschritten wird, weist eine "service" - Meldung 30 Sekunden lang bei jedem Starten des Motors darauf hin. Der grosse Vorteil des FlyDAT ist dass es für alle Parameter die jemals erreichten Maximum- und Minimumwerte speichert, und die Daten der letzten zwei Betriebsstunden im 6-Minutenrhythmus aufzeichnet. Diese Daten können auf einen Computer im Rotax-Service-Center übertragen werden und sind so ein nützliches Instrument, um zu analysieren, warum ein Problem aufgetaucht ist, dass Rotax die Garantielaufzeit, derjenigen Motoren verlängert, die ein FlyDAT einsetzen. Es gab schon unzählige Beschwerden über den Preis von über DM 2.000,00 , aber selbst wenn man den Bonus der verlängerten Garantie ignoriern würde, dann hat der 912er einen so beneidenswerten Ruf, der für Zuverlässigkeit steht, dass es wahrscheinlich nicht teurer ist als 9 separate Instrumente zu haben und es spart nebenbei noch  jede Menge Platz im Cockpit und an Einbauzeit. Ausserdem ist das FlyDAT she robust und tauglich konstruiert.

Ich hatte gedacht, meine Startproblem hätten sich erledigt, weil der Anlasser den Moitor drehte, doch er wollte nicht starten. Ich benutzte das Starthilfekabel nochmals, da nur ein kleiner Tick fehlte, dass der Motor ansprang. Ich schob die Probleme auf die eher kleine Batterie und die langen Leitungen, da die Batterie vorne in der Verkleidung untergebracht ist. Ausserdem war die extreme Kälte ein Problem. Der 912 braucht recht lange um warmzulaufen. Man sollte nicht unter 50 GRad Öltemperatur starten. Das kann beim Kaltstart 10 Minuten und mehr dauern. Ich gewöhnte mir an, bei laufendem Motor und angezogener Handbremse vor das Trike zu stehen, um meine Sachen zu packen und anzuziehen. Während ich meine Tasche in der Verkleidung verstaute

Beim Verstauen meiner Tasche in die Verkleidung entdeckte ich einen losen Stecker, der ziemlich ungeschützt plaziert war, und an einem Gekäuse unter dem Rahmen endete. Als ich den Stecker wieder einstckte, ging die Benzinanzeige wieder. Ich muss ihn beim Ausziehen meiner Rettungsweste in Headcorn versehentlich rausgezogen haben. Ich war schliesslich gegen 8 Uhr in die Luft.

Mein Plan war, ungefähr 300 Nm Luftlinie bis zum Flugplatz von Phillippe Zen zu fliegen, welcher in der Nähe von Chambery am Fuss der Alpen liegt. Da ich mir nicht sicher war, wieviel Treibstoff ich brauchen würde, zeichnete ich mit in der Karte einige Zwischenlandeplätze ein, die ich dem "guide des terrains ULM de France" entnahm. Ich wollte mich in der Luft je nach noch verfügbarem Treibstoff entscheiden, wo ich landen würde. Am liebsten wäre mir St. Florentin auf dem halben Weg, welcher ein viel beflogener UL-Platz ist und wo ich vor über 10 Jahren auf meinem Trip nach Kapstadt zuletzt gelandet war. Wegen der extremen Kälte flog ich langsamer als am Vortag mit einer Geschwindigkeit von etwa 95 km/h. Mit einem geringen Rückenwind erreichte ich so 105 km/h über Grund. Bei dieser Geschwindigkeit in stiller Luft zog die Maschine leicht nach links, was etwas ärgerlich war. Später erklärte man mir, dass die Fläche für ein 582er-Trike getrimmt war und dessen Prop dreht genau andersrum. Eigentlich eine kleine Einstellung durch Drehen der Justierung am Flügelende. Der Motor schien bei Drehzahlen von 3.500 bis 3.900 leichte Fehlzündungen zu haben. Die Sicht während des Fluges war eher schlecht und mir wurde langweilig, da ich ausser navigieren und Kurs halten nichts zu tun hatte. Der Verbrauch betrug etwa 10,5 Liter pro Stunde bei 3.800 Umdrehungen, was auf Strecke die Obergrenze darstellen dürfte.

Im Gegensatz zu meinem letzten Besuch in St. Florentin schien der Platz dieses Mal verlassen zu sein. Da ich keinen tragbaren Tank mitgenommen hatte, wollte ich es vermeiden grössere Umtriebe mit dem Tanken zu haben. Schliesslich sah ich aber doch noch jemanden im beheizten Hubschrauberhangar, der die Tankpumpe bedienen konnte. Ich nutze die Gelegenheit mich ein bisschen aufzuwärmen, da es mich trotz zwei Overalls beim Fliegen fror.

Gleich zu Anfang der nächsten Etappe stieg meine Geschwindigkeit über Grund stetig an, da ich einen Rückenwind von gut 20 Knoten hatte. Dies kam mir sehr entgegen, da ich vor Yenne nicht mehr zum Landen tanken landen wollte. Andererseits sollte ich es bereuen, da ich beim Ausfliegen aus dem Saônetal beim Steigen über nicht allzu hohen Berge in Turbulenzen kam. Die Berge stiegen auf den letzten 50 Kilometern dieser Etappe stetig an. Als ich die Berge überflogen hatte, war es plötzlich ruhig, meine Höhe betrug 6.000 Fuss, es war ziemlich kalt, aber die Sicht betrug inzwischen wieder über 15 km. Ich kam um 14.00 Uhr in Yenne nach 2 Stunden 45 Minuten Flugzeit an und war total steif gefroren. Ich fragte mich wie ich es aushalten sollte, auf dem nächsten Abschnitt für längere Zeit mindestens doppelt so hoch zu fliegen.

Beim Landen in Yenne kassierte ich gleich einen Anschiss, weil ich die verkehrte Platzrunde geflogen bin, woran ich aber nicht 100% schuld war, da die neue Platzrunde in meiner Karte noch nicht eingezeichnet war. Der "Wachhund" am Platz stellte sogleich sicher, dass ich eine neue Karte kaufte und die alte in den Reisswolf steckte. Glücklicherweise war dieses mein letzter Halt in Frankreich. Jetzt musste ich zuerst eine Wetterberatung einholen. Der Telefonanruf ergab, dass die hohen Alpengipfel total in Wolken waren, aber am nächsten Tag ein Überflug machbar sein sollte. Es wurde vorhergesagt, dass es bis Mittag klar bleiben sollte und sich der Wind zu einem leicht Südwestlichen - einem Rückenwind über Italien verändern würde. Es war keine schwierige Entscheidung zu bleiben.

Kurz darauf rief mich John Fack, der Marketing-Direktor von Pegasus an, der mit einem Flugzeug auf dem Hänger seines Autos nach Bassano unterwegs war, um mir zu sagen, dass er mich hatte fliegen sehen und die Autobahn verlassen hatte, was für ein Zufall! "Brauchst Du was?" Die Maschine ist in Ordnung, antwortete ich, aber zusätzlichwärmende Kleidung wäre gut. Sie brachten mir einen Unterwäscheoverall (besser war das Ding nicht zu bezeichnen) und eine wirklich gute Sturmhaube. Dieser dachte ich, würde mir wirklich helfen. Normalerweise benutze ich nämlich einen Integralhelm, und jetzt hatte ich einen Halbschalenhelm mit Headset, der zwar deutlich besser schallisoliert, aber zugiger war. John riet mir, zum Starten nur ein Drittel Choke beim Kaltstart zu setzen und stellte mir die Flügelspitzentrimmung für den 912er ein, um den Linksdrall zu korrigieren. Dann verschwand er wieder.

Phillippe Zen ist einer von der heroischen Art von Franzosen. Im Fall, dass es jemand noch nicht weiss, gibt es ein grosses Schild an dem Tor zu seinem Flugplatz, und auf dem steht: "UL-Fliegen mit Ph. Zen, der am häufigsten ausgezeichnete UL-Flieger der Welt!" Ich denke, dass dieses Schild noch aus der Zeit stammt, bevor Alain Petit von Arplast, der inzwischen auch zweimal die WM gewonnen hat,  ist. Seine Rivalen sollten sich vorsehen, da er derade dabei ist, an seinen 912er ein elektronisches Einspritzsystem einzubauen, mit dem er in seiner Rans Coyote dieses Jahr bei der WM antreten will.

Trotz aller Aufschneiderei ist Phillipe ein guter Kerl. Ich traf ihn vor vielen Jahren zum ersten Mal, als er mit einem stark übermotorisierten Weedhopper auf Skiern in Val d'Isere herumflog. Er hatte den 912er schon jahrelang geflogen und sagte, dass das Fehlzündung-Problem, dass Ich zwischen 3500 und 3900 Umdrehungen bemerkt hatte, eigentlich ganz normal sei, dass aber in den meisten Flugzeugen dieser Motor nie mit so niedrigen Drehzahlen geflogen werden könne und man es deshalb kaum bemerken würde. Es ist in der Tat nur eine Frage des höher Justierens der Vergasernadeln, damit er etwas megerer und frei von Fehlzündungen läuft. Bezüglich des Rückenwindes, den ich vorher erfahren hatte, erklärte er, dass der nordöstliche Wind eine typische Erscheinung des Saône-Tals sei, und dass dieser Wind nach Passieren der Berge nicht mehr vorhanden sei. Es sei anzunehmen, dass der Wind weiter südlich im Rhône-Tal zwischen den Alpen und dem Massiv Centrale düsenartig eingezwängt wird, und dort bei der momentanen Wetterlage dann mit 60 Knoten auf dem Boden bläst! Es ist eine Art umgekehrter Mistral. Lokale Kenntnisse bedeuten hier alles und ich war froh, dass ich dort nicht hinmusste.

Jedes Mal, wenn ich in den Alpenn geflogen bin, war das Wetter perfekt gewesen. Dieses soll nicht heissen, dass ich nicht mit äusserster Vorsicht die Alpen überfliegen würde. Darin wurde ich bestärkt, als mir Phillippe von einem seiner Versuche erzählte , nach Bassano  zu fliegen (er ist zweimal dort hingeflogen). Als er den höchsten Punkt erreichte, war alles, was er jenseits der Alpen sehen konnte, ein riesiger Wolkenrotor, der sich über die Berge zog. In einem Anfall von Leichtsinn entschied er, dass es das Beste wäre, hinunter in das Loch zu fliegen. Glücklicherweise gelang es ihm noch rechtzeitig umzudrehen und dem Inferno wieder zu entkommen. Er meinte, mein Plan, in einem leichten Steigflug den ganzen Weg das Isère Tal hoch zu fliegen, und unter Ausnutzung der enormen Steigleistungen des 912er Quantums über dem Petit St. Bernard Pass auf 10,000 Fuss hochzuklettern um dann wieder ins d'Aosta Tal abzugleiten sei durchaus machbar. Der Hauptgedanke, der hinter diesem Plan steckte, war einigermassen warm zu bleiben.

Freitag

1/3 Choke klappte ! Das Flydat ergab ähnliche Daten wie am Vortag, aber die Maschine startete total leicht. Es braucht eine Minute oder zwei im Vergleich zu den wenigen Sekunden eines Zweitakters, ehe man den Choke wieder rausnehmen kann. Danach schnurrt er ruhig mit Leerlaufdrehzahl. Während des Warmlaufens zog ich mich an: drei Paar Socken, lange Unterhosen, den zuvor beschriebenen Unterwäscheoverall, zwei T-Shirts, zwei Sweatshirts, einer Fleecejacke, zwei Overalls, zwei Paar Handschuhe und die Kophaube. Das Michelin-Männchen war um 7:30 Uhr in der Luft. Mein Plan ging gleich in die Hosen. Um mich nach Osten zu halten, musste ich zuerst einen 5000 Fuss hohen Grat überfliegen, der sich kurz nach dem Fluplatz erhob. Als ich Höhe gewann, war es ersichtlich, dass mir eine Menge Wolken auf dem Grat entgegen rollte Ich entschied, mich frei von möglichen Rotoren zu halten, in südlicher Richtung zu steigen, und wenn ich über den Wolken wäre, wieder nach links abzudrehen. Es war ein bisschen bockig auf der Grathöhe und zuerst sah es so aus, als ob das Tal auf der anderen Seite vollständig mit Wolken gefüllt und nur die das Tal umgebenden Berge herausragen würden. Die Sicht war grandios aber es schien mir nicht sicher zu sein. Als ich 6.500 Fuss erklomm, war es plötzlich völlig ruhig und was ich zuvor für Wolken gehalten hatte, entpuppte sich jetzt als dichter Dunst, in dem sich die Sonne spiegelte und der in dem Tal gefangen war. Ich drehte nach Osten, und entdeckte, dass es am Talboden einige potentielle Notlandelandegebiete gab. Meine Strategie beim Fliegen hat sich noch nicht verändert, ich schaue immer noch dauernd nach Notlandemöglichkeiten, obwohl diese Maschine absolut zuverlässig ist. Ich entschied , nicht in das Tal wie geplant hinunterzugleiten, schliesslich ist Höhe Sicherheit, ich war in ruhiger Luft, mir war noch nicht kalt und die Sicht der hohen Alpen war spektakulär.

Die Navigation war einfach, ich hielt auf einen Punkt rechts vom höchsten Berg, dem Mt. Blanc zu und stieg langsam weiter, um die Passhöhe in 10.000 Fuss wie geplant zu überfliegen. Gerade als ich den Pass überflog, sah ich die ersten Skiläufer aus den Liften aussteigen. Das hier war besser als Skilaufen, es war phantastisch! Eine Stunde war seit dem Start vergangen, und weil die Sicht so toll war, schien die Zeit "wie im Fluge" verstrichen zu sein. Schliesslich kroch die Kälte durch meine Kleidung, und ich begann in das Tal auf der anderen Passeite hinabzugleiten. Als ich dem Talboden näherkam, verschlechterte sich bedauerlicherweise die Sicht bis zu der Stelle an der das Tal in der grossen norditalienischen Ebene endete. Das war optisch wieder das, was ich die ganze Zeit in Frankreich gehabt hatte: Dunst mit schlechten Sichten weit und breit !

Dies war ein kleines Problem, da mein beabsichtigter Weg nach Bassano nun durch diese dunstige Suppe führen würde und es auf dem Weg einige grössere Berge gab, die es zu über- oder umfliegen galt. Ich wollte nicht unbedingt in einen von Ihnen ohne Sicht reindonnern. Deshalb entschied ich 30 km südlich meiner Kurslinie die Kontrollzone Mailand südlich zu umfliegen. Da dies meine geplante Strecke verlängerte, reduzierte ich das Gas zu ökonomischen 3500 Umdrehungen, was gerade reichte, die Höhe bei der geringsten Trimmgeschwindigkeit von etwa 80 km/h IAS zu halten

Ich landete nach genau drei Stunden an einem Flugplatz in der Nähe von Pavia, den ich während eines Wettbewerbes einmal besucht hatte, ein Gebiet, das Asien verwandter zu sein schien als Europa, da es völlig mit Reisfeldern bedeckt war. Man kann nicht sagen, dass die Maschine besonders langsam landet, aber sobald sie auf dem Boden ist, steht sie mit Hilfe der Bremsen sehr schnell. Es gibt aber italienische Trikes, die mit Bremsen an allen drei Rädern ausgestattet sind, und mit denen noch schneller angehalten werden kann als mit den zwei gebremsten Rädern des Quantum. Bei meinem letzten Besuch hier war das Wetter einem tropischen Monsun ähnlicher und der Flugplatz war damals mit riesigen Pfützen übersät, aber dieses Mal war der Platz in einem brauchbaren Zustand, warm, recht feucht aber überwiegend sonnig. Bis ich meine Sachen alle raussortiert hatte, war mir definitiv warm geworden, eine angenehme Veränderung.

Auf der nächsten Etappe führte mich zurück auf meine ursprüngliche Route nördlich des Gardasees zu einem kleinen UL-Flugplatz direkt an der westlichen Seite des Sees. Pic of 912 Quantum in a field of buttercups

Es war nicht tatsächlich mein beabsichtigter Zielort, aber ich konnte den Flugplatz, den ich suchte,   nicht finden, und nach Bassano direkt hätte das Benzin vielleicht nicht gereicht. Ich benutzte einen Satz von aeronautischen, italienischen 1:500.000 Karten, die nachträglich überduckt waren vom "Club Il Volo" und in der eine Menge kleine Plätze eingezeichnet waren. Späte erfuhr ich, dass diese Karten zwar recht gut, aber nicht ganz fehlerfrei sind. Ich musste natürlich so einem Fehler aufliegen ! Ursprünglich dachte ich, der Platz sei ausgestorben, doch bald schon tauchte jemand mit einem Handy auf, etwas, was scheinbar alle Italiener besitzen, rief den Flugplatzhalter an, der kurz darauf mit Benzinkanistern erschien. Während ich das Quantum betankte, warnte er mich vor dem grossen Militärflugplatz in Verona / Villafranca, den ich auf dem Weg nach Bassano passieren würde. "Viele F16s, Bosnien", sagte er, und riet mit dringend mindestens 3.000 Fuss hoch zu fliegen. Italien hat seltsame Reglungen, mit ULs darf wochentags nicht höher als 500 Fuss und am Wochenende nicht höher als 1000 Fuss geflogen werden, welches genau die Höhe ist, wo alle diese schnellen Dinger unterwegs sind. Aber weil es sich immer lohnt, den Ratschlag eines Einheimischen zu befolgen und wenn man in Rom ist... .

Auf dem Weg zum Flugplatz war mir gar nicht aufgefallen, wie gross der Gardasee ist, meine jetzige Route führte mich über die ausgedehnteste Stelle des Sees, um die 15 km. Anstelle um den See herumzufliegen, wodurch ich dem Miltiärflugplatz nur noch gekommen wäre, nutzte ich die phänomenale Steigleistung des Quantum 912, und war in weniger als 4 Minuten auf 5.000 Fuss über Grund! Selbst mit Passagier schafft es noch locker 1000 fpm (5 m/s). Bei diesem Steigflug hat sich der Druck in meinem Ohren eine Zeit lang nicht angepasst, so dass sich der Klang des Motors bei Vollgas zu einer Art Brummen reduziert war, welches an den Klang eines Düsenflugzeuges erinnerte. Als ich den See überquert hatte, war ich ungeduldig mein Ziel zu erreichen, drückte den rechten Fuss runter, um zu sehen, wie schnell das 912er Quantum geht. Als ich bei 130 km/h  war, las ich gemächliche 4800 Umdrehungen, die für einen Zweitakter für den Normalflug gerade richtig wären, ab. Bei 5.350 Umdrehungen mit Vollgas und dem Steuerbügel voll zu mir hergezogen, stellte ich fest, dass ich bei über 140 km/h immer noch mit 500 fpm (2,5 m/s) stieg! Doppelsitzig geht es noch schneller bis ca.  145 km/h, wobei das Qunatum dann immer noch steigt !

Zusammenfassung

Der Flug von Marlborough nach Bassano dauerte vierzehn Stunden und acht Minuten. Einschliesslich der diversen Umwege war die Entfernung um die 800 Nm (1.482 km). Dies entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 104 km/h. Wenn ich auch manchmal Glück mit leichten Rückenwinden hatte, so würde ich sagen, dass das dies eine grundsolide Geschwindigkeit über einer solchen Entfernung war. Es ist wesentlich ökonomischer als sein 2-Takter-Pendant und brauchte auf diesem Flug ca. 20 ccm Öl. Es würde schön, wenn man die ganzen 50 Liter des Tanks nutzen könnte (in deutscher Version stehen die vollen 50 Liter zur Verfügung, der Pilot ist eigenverantwortlich, das max. Abfluggewicht von 390 kg nicht zu überschreiten), aber vielleicht erkennen eines Tages die Gesetzgeber, dass ein UL-Flieger selber fähig ist eine Zuladungsberechnung durchzuführen, so dass man entweder mit vollem Tank oder mit einem Passagier und nur 30 Litern Sprit fliegen darf. Sogar mit dem reduzierten Tankinhalt von 30 Litern ist eine sichere Reichweite von fast 300 Kilometern ganz gut. Das Quantum ist bequem, leicht zu fliegen, hat vernünftig viel Platz für Gepäck und verspricht grossartige Zuverlässigkeit. Man kann sagen, dass das Quantum 912 ein wahrlich grossartiges Reise-UL ist.

Der Flug demonstrierte , dass Pegasus ein wesentliches Problem des 912ers völlig gelöst hat, nämlich dass das Ansaugluftwärmsystem des 912er Quantum makellos in allen Zuständen gearbeitet hat, egal welchen Bedingungen ich es auch aussetzte. Die verschiedenen technischen Probleme , die ich hatte, waren sehr trivial, teilweise war der Grund der, dass es sich um einen nagelneuen, nicht eingeflogenen Vorserien-Prototyp handelte und teilweise, weil ich erst mit den Eigenheitenn des 912er Motors umzugehen lernen musste.

Schliesslich, die 60.000 DM - Frage: Würde ich ein Quantum 912 kaufen? Falls ich ein spezielles Projekt wie die London - Kapstadt-Reise mit einem anständigen Etat hätte, dann sehr wahrscheinlich Ja. Würde ich es für die Ausbildung benutzen? Ich bin kein Ausbil, deshalb kenne ich die ökonomischen Anforderungen einer Flugschule nicht, aber ich denke der geringe Verbrauch und die geringen Wartungskosten sind eine konkrete Überlegung wert. Für andere Anwendungen, die Wert auf die bärige Kraft des 912ers legen, wie z.B. zum Schleppen, könnte ich mir vorstellen, dass es eine excellente und ökonomische Schleppmaschine ist. Jedoch ist die Grundgeschwindigkeit zum Hängegleiterschlepp etwas hoch.

Ich bedauerte es, als Bassano erreichte und das 912er Quantum wieder hergeben musste.

© Richard Meredith-Hardy 1996


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